Die Kinderstube der Demokratie

"Die Kinderstube der Demokratie" ist ein umfassendes Konzept für die Partizipation von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Es wurde im Rahmen eines Modellprojekts des Landes Schleswig-Holstein vom Institut für Partizipation und Bildung entwickelt (2001-2003), bei dem erprobt wurde, ob und wie Kinder in der Kindertagesbetreuung am Alltag in der Einrichtung demokratisch beteiligt werden können.

Basierend auf den Erfahrungen mit dem Modellprojekt wurden in einem zweiten Schritt Multiplikator*innen für das Konzept ausgebildet. Heute wird das Konzept mit einer Vielzahl an Kitas umgesetzt und weiterentwickelt. Das Konzept umfasst ein Fortbildungsangebot, das Kita-Teams begleitet und gemeinsam mit ihnen ein Partizipationskonzept entwickelt, das genau auf die jeweilige Einrichtung zugeschnitten ist und praktische Methoden der Umsetzung beinhaltet. Institutionalisierte Beteiligungsformen wie Kinderparlamente, Kita-Räte oder ähnliches sowie auch die Festschreibung der Beteiligungsrechte der Kinder in einer Kita-Verfassung gehören zu den Grundlagen des Konzepts.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Modellprojekt waren zum einen, dass die Beteiligung und damit das Ernstnehmen der Kinder immer "in den Köpfen der Erwachsenen" beginnt. Es sind zum anderen methodische Kompetenzen, Erfahrung und viel Selbstreflexion nötig, um Partizipation mit Kindern durchzuführen. Das Konzept arbeitet deshalb zentral mit Teamfortbildungen. Es eröffnet einen Prozess, der zur Teamentwicklung beiträgt und damit ein wesentlicher Bestandteil für gleiche Bildungschancen aller Kinder ist. Bei der Begleitung der Teams geht es immer um die Auseinandersetzung mit der Fragestellung "Wo sollen die Kinder auf jeden Fall (mit)entscheiden?" und "Wo sollen die Kinder auf keinen Fall (mit)entscheiden?" Dies wird in den Teams intensiv diskutiert und von den Multiplikator*innen moderiert.

Am Ende jeder Diskussion steht eine Konsenslösung, die vom gesamten Team mitgetragen und umgesetzt wird. Die Fixierung der Rechte der Kinder - in schriftlicher Form für die Eltern und bspw. in visualisierter Form für die Kinder - ist dabei besonders wichtig. Sie gibt einen klaren Rahmen nicht nur für die Kinder, sondern besonders auch für die Erwachsenen. Diese wissen damit, welche Rechte den Kindern zustehen, und die Kinder können diese ihrerseits einfordern und sind nicht an die Stimmung oder "Offenheit" der jeweiligen pädagogischen Fachkraft gebunden. Diese Fixierung kann auch diskriminierendem Verhalten Einhalt gebieten.

Neben den Beteiligungsstrukturen in den Kitas sind demokratische Umgangsformen nötig, damit Kinder ihre Rechte einfordern und ausleben können.

Öffnet externen Link in neuem FensterSiehe auch hier (PDF, Abruf 19.12.2018).

S
U
B
M
E
N
Ü